Angst vor der Hochzeit? Wir nehmen Dir die Angst!

Wir haben der Psychologin Stella Schultner (Instagram: @stellaschultner_psychologie) eure Fragen gestellt, die euch rund um das Thema „Ängste vor der Hochzeit“ besonders interessiert haben! Die hilfreichen Antworten und einzigartigen Ratschläge haben wir in diesem Blogbeitrag zusammengefasst. 

Stella hat sich auf die Psychologie der Liebe spezialisiert. Sie arbeitet mit Themen wie „Erfüllte Beziehungen“, „Selbstliebe und Selbstwert“ und vieles mehr! Wir freuen uns, dass wir die Möglichkeit hatten, eine erstklassige Expertin zu interviewen. Herzlichen Dank an Stella Schultner!

Los geht’s! 

Wie nimmt man sich als Brautpaar die Angst vor dem großen Auftritt? 

“Jedes Brautpaar empfindet Stress und Ängste vor der Hochzeit, auch wenn es eigentlich ein wunderschöner Moment im Leben eines jeden Brautpaars ist. Heiraten gehört zu der Top 10 der stressigsten Dinge im Leben eines Menschens. Es ist total normal und sogar menschlich, in diesem Moment Angst zu haben und Aufregung zu verspüren. Man muss akzeptieren, dass diese Gefühle einen unumgänglich überkommen, aber auch verstehen, dass es wirklich jedes Brautpaar empfindet. 

Was hilft ist den Auftritt mental zu üben, sich zum Beispiel die Strecken, den Gang, die anwesenden Gäste, vorzustellen. Wenn man gut vorbereitet ist, kann nichts mehr schief gehen. Man könnte auch verschiedene Szenarien durchspielen und die Reaktion auf unerwartete Situationen üben und vielleicht im Vorfeld Auswege suchen. Ganz oft merkt man bei den mentalen Übungen, dass das was kommen kann, gar nicht so schlimm sind und letztendlich tritt es mit sehr großer Wahrscheinlichkeit erst gar nicht auf! Natürlich neigt man in stressigen Situationen dazu, alles etwas pessimistisch zu sehen. Aber auch das empfindet wirklich jedes Brautpaar. Also ein Hoch auf den Optimismus! 

Vor zittrigen Knien und zitterndem Körper einige Minuten vor der Zeremonie, helfen Atemübungen sehr gut- Tiefes Ein- und Ausatmen, Krönchen richten und mit erhobenem Haupt zum Altar gleiten! Du wirst es schaffen!” 

Die Gäste kennen sich kaum- wie kann ich die Stimmung auflockern? 

“Bereits in der Vorbereitungsphase könnte ein kleines Kennenlernen eurer Gäste eingeplant werden. Sprecht dieses am besten mit den Brautjungfern oder Trauzeugen ab. Oftmals wird für die Hochzeit zum Beispiel ein Flashmob geplant. Bei einem gemeinsamen Vorhaben könnten sich die Gäste schon im Vorfeld kennenlernen und für gute Stimmung auf der Hochzeit ist gesorgt. Überlegt euch auch interessante Eisbrecher-Spiele mit Geschenken/Preisen für die Sieger. 

Auch bei der Sitzplatzverteilung könnte darauf geachtet werden, dass die Gäste, die sich schon kennen, zusammensitzen, um kein Unwohlsein zu erzeugen. Oder man mischt die Gäste wild durch und gewährleistet so ein Kennenlernen. Ihr als Brautpaar kennt eure Gäste sehr gut, welche Gäste könnten gut harmonieren? – Spielt gern mit der Tischordnung. 

Grundsätzlich machen sich das Brautpaar oft viele Sorgen, denn in den meisten Fällen meistern die Gäste das Kennenlernen ohne Probleme und stimmen sich auf euer Hochzeitsfest gern mit ein. 

Mir passiert was Unangenehmes, zum Beispiel: ich stolpere… Was mache ich dann? 

“Auch wenn ihr euch den perfekten Tag wünscht, kann das eine oder andere Missgeschick immer mal passieren, denn auch das ist menschlich! Man kann leider nicht alles im Voraus planen! Stellt euch immer vor, ihr selbst seid auf einer Hochzeit und die Braut bleibt zum Beispiel mit ihrem Hochzeitskleid hängen… Du würdest vollstes Mitgefühl zeigen, vielleicht darüber ein kurzes Lächeln verlieren, weil dies irgendwie doch ganz süß war… Genau das gleiche würden auch deine Gäste von dir denken! Also macht euch keine Sorgen, nimm alles einfach mit Humor! Die nicht perfekten Momente machen die Hochzeit unvergesslich perfekt! Gerade diese Momente bleiben dann auch in Erinnerung und noch nach sehr langer Zeit wird man darüber ein Lächeln verlieren. Emotionen machen die Hochzeit!” 

Wen „muss“ man auf die Hochzeit einladen? 

“Eine Hochzeit ist kein Performance-Event. Es ist ein Event, wo zwei liebende Menschen sich das Ja-Wort geben und gemeinsam ein Pakt schließen- Du und Ich gegen den Rest der Welt. Es ist euer ganz persönliches Ereignis, und nur ihr als Brautpaar müsst euch wohlfühlen. Verzichtet darauf, Menschen einzuladen, die euch nicht das Gefühl von Wohlsein vermitteln. Fühlt euch nicht verpflichtet, jemanden einzuladen, mit dem ihr eigentlich nicht gern euren Großen und ganz Besonderen Tag teilen wollt- dies erzeugt unnötigen Druck. Dabei ist es völlig in Ordnung, nicht auf die Meinung anderer Familienmitglieder zu hören, denn es ist euer Tag und ihr werdet euch an diesen Tag euer Leben lang erinnern und das sollen schöne Erinnerungen sein.”

Angst vor dem „Für Immer“

“Was steckt hinter der Angst „Für Immer“? Es ist nicht die Angst, dass man „Für Immer“ mit einem Partner zusammen bleibt, sondern die Angst, dass es sich nicht immer gut anfühlen wird, dass man sich verletzen könnte oder eine Ehe führt, die man so nie führen wollte. 

Sei dir immer bewusst, dass du dir immer und jederzeit aussuchen kannst, wie deine Ehe sein soll. Jeder von euch trägt einen sehr großen Teil dazu bei, wie die Ehe tatsächlich sein wird. Ehe ist harte Arbeit, für die BEIDE Ehepartner bereit sein müssen, denn jeder muss seinen Beitrag dazu leisten. Macht euch bewusst, dass Konflikte in jeder Ehe etwas völlig Normales sind. Aber nicht jedes Ehepaar kann diese Konflikte lösen. Das muss man noch gemeinsam erlernen. 

Letztendlich ist eine Hochzeit zwar ein Vertrag, aber dieser impliziert nicht unbedingt das „Für Immer“. Gehe in die Selbstbestimmtheit und habe keine Angst, diesen Vertrag durch eine Scheidung auch irgendwann zu beenden, wenn es sich nicht mehr richtig anfühlt. Zu wissen, dass eine Eheschließung überhaupt nicht „Für Immer“ sein muss, hilft vielen den Druck von sich zu nehmen. Im 21. Jahrhundert gibt es den gesellschaftlichen Zwang des „Für Immer“ nicht mehr.” 

Was will ich wirklich? Was sind meine wirklichen Wünsche für die Hochzeit? 

“Es ist empfehlenswert, vorerst sehr wenig über eure Hochzeit und die Hochzeitsplanung zu sprechen. Schirmt euch vorerst vor äußeren Einflüssen und fremden Meinungen ab, um eure eigenen Ideen und Wünsche zu entwickeln. Dieser Tag gehört nur euch beiden als Paar, hierbei solltet vor allem ihr beiden zählen! 

Jeder hat seine eigene Vorstellung, wie eine Hochzeit sein sollte und ihr habt eure – ganz individuelle und besondere Vorstellung! Versucht nicht anderen zu gefallen oder es jemanden Recht zu machen, ihr habt nur diesen einen Tag und ihr sollt am Ende nichts bereuen. Macht eurem Umfeld durch richtiges Kommunizieren deutlich, was EUCH glücklich macht!”

Wie kann ich die Romantik nach der Hochzeit/ Flitterwochen aufrechterhalten? 

“Nehmt euch genug romantische Auszeiten, zum Beispiel: Sonntag ist unser Paartag!  Und zwar auch wirklich nur ihr beiden! Sucht für die Kinder eine Betreuung, macht etwas früher Feierabend, etc. Plant euren Tag als Termin, schreibt es rot in euren Kalender… Seht es als ein Event an, dass ihr auf keinen Fall verpassen dürft. Fordert Zeit für euch beiden ein!” 

Was ändert sich wirklich im Leben eines Brautpaars nach der Hochzeit? 

“Man muss sich bewusst werden, dass alles was nach der Hochzeit kommt, sich in unserer Psyche abspielt. Grundsätzlich ändert sich nach der Eheschließung nichts, es ist nur das Gefühl, dass man jetzt ein/e Ehefrau/ Ehemann und kein/e Freund/in mehr ist. Diese neue Bezeichnung verunsichert viele. Die meisten denken nur bis zur Hochzeit. Sie träumen von ihrer ganz besonderen Hochzeit, fiebern ganz lange auf diesen Moment hin. Was aber danach folgt, vergessen viele zu durchdenken. Letztendlich geht es aber genauso weiter, dein Partner ist immer noch derselbe, du bist dieselbe/derselbe- es hat sich nur formell etwas geändert. Schreibt euch als Ehepartner eine Liste anderer aufregender Sachen (so wie eine Hochzeit), die ihr unbedingt nochmal zusammen erleben wollt, um die Vorfreude aufrechtzuerhalten.”

Was ist, wenn ich an meinem Hochzeitstag krank werden, Pickel, Herpes oder Ausschlag bekomme?

“Das alles sind Symptome von Stress. Vermeidet Stress, indem ihr rechtzeitig plant, einen Plan B ausgearbeitet und viele Dinge mit Humor und Einfachheit nehmt. Das sorgt für einen entspannten Geist und damit für einen entspannten Körper und ein gut funktionierendes Immunsystem. 

Grundsätzlich ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass man sich einen Infekt einfängt, minimal. Denke nicht zu viel darüber nach, denn unsere Gedanken ziehen dann genau diese Situationen an, leider ganz besonders die negativen.” 

Wie geht man mit der Enttäuschung um, wenn die Hochzeit nicht nach Plan verläuft? 

“Stellt euch doch mal die Frage, was ist schöner: Eine total perfekte Hochzeit für eure Gäste, wo das Brautpaar sehr gestresst ist, ein gutes Bild zu wahren? Oder wenn es plötzlich ungeplant anfängt zu regnen und im Zelt alle Gäste näher aneinander rücken, sich gemeinsam wärmen und einfach herzlich lachen? Es ist nicht eure Aufgabe als Brautpaar, einen perfekten Tag für eure Gäste zu organisieren, es geht darum, dass ihr beiden einen unvergesslichen Tag erlebt. Eure Liebe muss stärker sein, als die Angst vor einer nicht perfekten Hochzeit. Diese Atmosphäre werdet ihr auch ausstrahlen und eure Gäste werden sich darauf einstimmen, dann erlebt ihr auch eine wunderbare Hochzeit! Setzt euren Fokus richtig und lacht über nicht geplante Dinge! 

Ein(e) Weddingplaner/in kann euch hierbei aber besonders die Sicherheit geben, viel Stress vermeiden und viele Schritte der Planung abnehmen, sodass das Risiko, dass etwas schiefläuft, nur noch ganz minimal ist.” 

Eltern mischen sich in meine Hochzeitsvorbereitung ein…

“Das Wichtigste ist, dass man versteht und akzeptiert, warum die Eltern so handeln, wie sind handeln: Ihre Kinder werden erwachsen und heiraten! Natürlich wollen sie daran teilhaben! Auch bei euren Eltern ist die Aufregung riesig. Unter Stress neigt man dazu, unerwünschte Kommentare oder gemeine Aussagen zu äußern, die man eigentlich gar nicht so meint. Gebt euren Eltern auch Aufgaben und beteiligt sie an der Hochzeitsplanung. Sie fühlen sich dann gebraucht, freuen sich und haben kaum Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wenn ihr alles noch einladen müsst oder welches Kleid du unbedingt tragen musst.

Kommunikation ist der Schlüssel zur Lösung jedes Problems. Dies gilt sowohl vor der Hochzeit wie auch nach der Hochzeit! Wählt einen liebevollen Ton und appelliert an das Verständnis deines Gegenübers, sodass keiner sich angegriffen oder vernachlässigt fühlt!”

Mehr über die Psychologin Stella Schultner erfahrt ihr hier: Hypnose & Hypnocoaching | Stella Schultner | München

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